Weil es Begegnungen sind die uns ausmachen
Thailand, Travel

Weil es Begegnungen sind die uns ausmachen

Den Wind im Gesicht, die Sonne im Rücken sitze ich auf einem alten Motorroller den wir uns von der Hotelbesitzerin geliehen haben. Die Arme um Maria geschlungen, lasse ich die Landschaft an mir vorbei ziehen. Wir sind fast alleine auf der Landstraße Richtung Nationalpark, tuckern dahin mit 30 Stundenkilometer. Ich liebe es Roller zu fahren. Der Tag verspricht besonders warm zu werden, die Temperaturen liegen in der Sonne bereits über 40 Grad. Wir schwitzen unter unserem Helm, der weder richtig passt, noch ganz heile ist. Aber in Thailand wird das alles nicht so eng gesehen. Ebenso wie das Ausleihen eines Motorrads, dafür wollte nicht mal jemand einen Führerschein sehen. Mich stört das alles nicht, wir haben ja beide einen. Wer aber ein bisschen auf Sicherheit Wert legt, sollte sich das vielleicht Zweimal überlegen. Der Wind trägt unsere Stimmen davon, während wir versuchen uns schreiend zu unterhalten. Ganz plötzlich bricht der Himmel auf und eine Masse von Wasser ergießt sich über uns. Eine kurze Weile können wir noch weiterfahren, ohne dass der Roller ins schlingern gerät. Das Wasser läuft uns in den Nacken und den Rücken hinunter. Binnen kürzester Zeit sind wir beide durchweicht und beschließen nun doch am Rand anzuhalten. Außer Palmen weit und breit welche am Straßenrand im Sand stehen finden wir leider nichts zum Unterstellen. Egal, denken wir uns, besser als nichts. Wir halten in der Einfahrt eines großen Hauses, dessen Türen verschlossen sind. Leer und stumm liegt es im Regen da. Während der Roller im Regen stehen bleibt drängen wir uns unter der Palme zusammen. Die Blätter schützen uns notdürftig vor den größeren Wassermassen, doch die Kleidung ist nass und wir beginnen zu frieren. Zu allem übel entdecke ich am Stamm der Pflanze auch noch riesige Ameisen, die fröhlich ihren Weg in Richtung unserer Füße fortsetzen. Eine Entscheidung zwischen Regen und Ameisen auf der nackten Haut. Plötzlich öffnen sich die großen Flügeltüren des Hauses und eine zierlich, kleine Frau steht in der Einfahrt. Sie lächelt uns zu und winkt. Verunsichert, ob sie vielleicht ausschließlich möchte, dass wir uns von ihrem Grund und Boden entfernen und den Roller mitnehmen bewegen wir uns rückwärts von der Palme weg. Doch die Frau winkt nun heftiger, wir mögen zu ihr kommen. Wieder lächelt sie.

Krabi (42)

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Sie lädt uns in ihre Haus ein. Ein Hof, überdacht, auf dem noch drei weitere Frauen sitzen und einer komplizierten Flechtarbeit nachgehen. Wir sollen uns auf zwei Stühle setzen, die anderen Frauen lächeln uns ebenfalls zu. Sie bringt uns ein Handtuch und zwei Flaschen Wasser. Die ganze Zeit wird nicht ein Wort gesprochen. Sie spricht nicht einen Satz Englisch, wir kein Thai. Die Frau begibt sich wieder zu den anderen Frauen zurück und geht ihrer Arbeit nach, als seien wir nicht da. Wir ernten keine bösen Blicke, wir haben nicht das Gefühl, dass über uns gesprochen wird. Die Frauen hatten uns einfach nur aus ihrem Fenster gesehen und wollten uns helfen. Den beiden durchnässten Mädchen, die ganz verloren mitten in einer thailändischen Landschaft verzweifelt unter einer Palme Schutz suchten. Wir trocknen uns ab und wechseln das Oberteil. Gut, dass wir vorausgeplant und eins mitgenommen haben. Als der Regen vorbei ist, geben wir das Wasser und die Handtücher zurück und nicken leicht mit dem Kopf. Die Frauen verstehen uns und lachen freundlich. Wir haben die Frauen nie wieder gesehen, sind auf dem Rückweg eine andere Strecke gefahren.

Doch auch heute noch, zwei Jahre später, erinnere ich mich gerne an diese Begegnung zurück. An ihre herzliche Ausstrahlung. An ihre Hilfsbereitschaft. Ich glaube, dass es genau diese Hilfsbreitschaft war, die mich veränderte. Vielleicht nicht viel, aber immerhin ein bisschen. Mir wurde eine Gastfreundschaft entgegen gebracht, der ich bis heute sehr dankbar bin. Auch wenn es nur Wasser und ein Handtuch waren. Eine Gastfreundschaft die ausdrückt, dass wir alle nur Menschen sind. Ob Fremde oder Einheimische. Und wer etwas hat, egal wie viel oder wenig es ist, ist auch in der Lage dies zu teilen. Auch heute noch, zwei Jahre später, lebe ich nach dem Motto „Tue gutes und dir widerfährt Gutes“. Vielleicht nicht augenblicklich. Vielleicht nicht schlag auf schlag als Reaktion auf etwas. Aber irgendwann bestimmt.

Leider gibt es keinerlei Fotos oder Videos von dieser prägenden Begegnung da sie spontan entstand und die Frauen Fotos untersagt hätten. Ich wollte aber dennoch sehr gerne an Arianes Blogparade zum Thema “ Reisebegegnungen Aufruf zur Blogparade“ teilnehmen und hoffe, euch ein bisschen mit meiner Momentaufnahme mitgenommen zu haben.

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